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Bildinhalt: Das erste selbstgebastelte Fernrohr, mit einem Objektiv 54/175

Aufnahmedaten:
Aufnahmedatum: Mitte (?) 1968
Aufnahmeort: Kinderzimmer in der Heimatwohnung in Cottbus, Dreifertstr.8.

Anmerkungen: Die Optik (achromatische Kittgruppe, vermutlich Feldstecherobjektiv) lieferte die Fa. Kratzsch (Foto-Drogerie) aus Chemnitz (damals Karl-Marx-Stadt), die billig Linsen und anderes von Carl-Zeiss Jena vertrieb, die den überdurchschnittlichen Prüfbedingungen nicht ganz entsprachen, aber optisch einwandfrei waren. Dieses erste Fernrohr wurde als Galileisches Fernrohr (Konkavlinsen als Okulare) verwendet. Das Blickfeld war winzig. Die Vergrößerungen lagen zwischen 13 und etwa 20fach und die Bildqualität war ziemlich schlecht. Dennoch konnte ich damit 26 Objekte, überwiegend offene Sternhaufen, auffinden. Später wurde auch ein gebasteltes Plössel-Okular (bestehend aus 2 Kittgruppen, auch von Kratzsch) verwendet. Dieses lieferte etwa 15 mm-Brennweite, wodurch sich eine Fernrohrvergrößerung von ca. 11,7mal ergab. (Das Plössel-Okular ist noch heute im Sucher meines R 63/840 im Einsatz.) Erst nach mehreren Verbesserungen erhielt das Gerät dieses Aussehen.

Leider gibt es aus meiner sehr bewegten „Astrofrühzeit” keine Tagebuchaufzeichnungen. Daher hier einige Erinnerungen:
Meine früheste Kindheitserinnerung, an eine bewusste Wahrnehmung des Sternenhimmels, entstand während des Nachhausemarsches nach einer Urlaubsreise. Meine Eltern erzählten etwas vom Großen Wagen, seiner Deichsel und der Milchstraße. Ich sah nur ein Gewimmel von Sternen und konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, was das bedeuten sollte. Später, es war wohl 1965 oder 66, ging ich im Winter zweimal mit meinem Vater nachts zum Feuerwehrpark. Er zeigte mir die Milchstraße und die Sternbilder die er kannte. In der Region von Kastor und Pollux stand glaube ich der Jupiter. Das Fremdlicht war damals noch sehr spärlich, aber beim 2. Mal bemerkte ich erstmals, dass es wetterbedingte Unterschiede in der atmosphärischen Durchsicht gibt. In meiner Hallenser-Zeit (01.09.1965 – 04.03.1967, Spezialmusikschule, Rausschmiss wegen Disziplinverstoß), vermutlich 1966, las mir in den Ferien mein Bruder Detlef den utopischen Roman „Der blaue Planet” von Carlos Rasch vor. Dies entflammte meine Fantasie für das Weltall. Schon zuvor hatte ich mich lange für Bergbesteigungen, Tauchen und Mikroskopie begeistert und hatte mir immer wieder den naturkundlichen Teil im Buch „Weltall-Erde-Mensch” angesehen. Vor allem die Darstellungen des Lebens in der Urzeit fesselten mich zutiefst. Nun wurden die Sterne für mich zum Ziel kühnster Abenteuer.
Gegen Ende meiner Hallenser-Zeit durfte ich das kleine Fernglas meines Vaters (4x35) mit nach Halle nehmen. Im Hof des Internates schaute ich damit nach dem Mond und den Sternen. Allerdings hatte ich noch keine Ahnung. Die Plejaden waren für mich der kleine Wagen und die Kapella gab ich als Mars aus. Dank meines Rausschmisses in Halle, mitten im 7. Schuljahr, eröffnete sich mir zu Hause in Cottbus die Möglichkeit, viel mehr Zeit in die Astronomie zu investieren. Ich begann mit allen verfügbaren Linsen zu experimentieren, um ein stärker vergrößerndes Fernrohr zu erhalten. So hielt ich eine schwach vergrößernde Linsenkombination hinter ein Okular des Fernglases 4x35. Es multiplizierten sich die Vergrößerungen. Das Bildfeld war winzig und sehr dunkel. Ich wurde schließlich einem Brillenoptiker in der Hauptgeschäftszeit mit der Bitte lästig, für mein Sammelsurium von Linsen ein Brillenglas zu bestimmen und zu verkaufen, mit dem ich ein Fernrohr mit hellem Bild erhalten würde. Der Optiker erklärte mir nur widerwillig, dass mit meinen Linsen etwas derartiges nicht möglich sei und ansonsten aufwändige Berechnungen nötig wären. Ich schrieb schließlich an Carl-Zeiss-Jena, ob man mir ein vergrößertes Objektiv eines Fernglases 4x35 liefern könnte. Immerhin antwortete man darauf und erklärte mir, dass das optisch nicht ginge (wegen starker Verzeichnung) und ich solle mich an die Photo-Drogerie Kratzsch in Karl-Marx-Stadt wenden, die Optiken zu stark herabgesetzten Preisen veräußerten. In einem alten „Kalender für Sternfreunde” von Ahnert, den sich meine Eltern mehrmals gekauft hatten, las ich in einem Beitrag von einem kleinen Refraktor 30/360 (glaub ich), mit dem sich wunderbare Mondbeobachtungen anstellen ließen. Diese optischen Abmessungen nannte ich in meinem ersten Schreiben an die Photo-Drogerie Kratzsch. Ich erhielt stattdessen eine Liste mit allen verkäuflichen Optiken zugeschickt. Ich entschied mich für ein galileisches Fernrohr 4,5x mit einem zweilinsigen achromatischen Objektiv 54/175. Als Okular wurde mir eine Bikonvexlinse geliefert. Das Fernrohr baute ich in zwei Aluminiumtöpfchen (Wassermaß für ¼ und ½ Liter) und es wurde fast unablässig daran herumgebastelt. Um die Vergrößerung erhöhen zu können, kaufte ich bald noch mehrere andere Bikonvexlinsen. Als Hauptvergrößerung (13,5x) verwendete ich eine mit -13 mm Brennweite. Eine schwächer brechende Linse sollte zusätzlich aufgesteckt eine 21fache Vergrößerung ergeben. Das Bildfeld war zwar aufrecht, aber überaus winzig und die Sterne hatten Farbschwänze. So gelang es mir jedoch die Jupitermonde und Mondkrater zu erkennen und manchen Sternhaufen aufzufinden. Für mich eine aufregende Zeit voller Entdeckungen! Ich erinnere mich, wie oft ich prüfend aus dem Badfenster in der Dreifertstraße zum Himmel schaute, wie die Gürtelsterne des Orions oder das funkelnde Licht des Sirius mit dem Quietschen der Straßenbahnen zu einem ahnenden Gefühl unendlicher Weiten und unbekannter Welten verschmolz.
Wesentlich angenehmer wurde das Beobachten durch das Plössel-Okular, das ebenfalls Kratzsch anbot. Ich musste mich damit an das verkehrte Bild gewöhnen, hatte dafür aber ein großes und helles Gesichtsfeld.